Paul Gaudernak, RandomHouse Audio

Lektorat Hörbuch

Ich erzähle gerne über meine Aufgaben im Lektorat des Hörbuchverlags Random House Audio, weil …

… es eine unglaubliche spannende Aufgabe ist, die passenden Stimme zu einem Text zu finden. Und genau darin besteht meine Arbeit: Wenn ich ein Buch lese, muss ich auch schon beginnen zuzuhören. Wer erzählt? Wie alt sind die Personen? Woher kommen sie? Welche Eigenheiten haben sie? Wie klingen sie? Habe ich vielleicht schon eine Stimme im Ohr? Und dann gehe ich auf die Suche. Nach einem bärigen Erzähler zum Beispiel, einer quirligen jungen Frauenstimme oder einem harten Ermittler. Mein Beruf bringt mich mit vielen Menschen in Kontakt. Die einen schreiben, die anderen sprechen. Ich darf beides miteinander verbinden.

Sprache(n) in meinem Beruf:

Bei uns im Verlag erscheinen nicht nur Bücher deutschsprachiger Autoren. Es ist daher unerlässlich, dass ich Texte auch auf Englisch lesen und einschätzen kann. Aber auch jeder Autor, jede Autorin hat eine eigene Sprache, eine eigene Art zu schreiben. Ein gutes Beispiel sind hier natürlich Dialekte. Für einen Roman, der in Berlin spielt, kann ich keinen Sprecher wählen, der ein breites Niederbayerisch spricht. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es auch, Texte zu schreiben, Bücher vorzustellen und Interesse dafür zu wecken, bei Kollegen aus Vertrieb und Presse zum Beispiel, aber auch bei Buchhändlern und Leserinnen und Lesern. Deren Sprachen muss ich dann natürlich auch sprechen können.

Sprache(n) in meinem Leben:

Ich kam 2010 aus meiner Heimat Wien nach München. „München, Wien, beides Großstädte. Und die Sprache kann ich auch.“ – dachte ich zumindest. Aber schon am ersten Tag an der Uni habe ich bemerkt, dass ich eben nicht dieselbe Sprache sprach wie meine Kollegen. Für die Kommilitonen aus dem Norden sprach ich „so langsam“, für die aus Bayern klang ich „so süß“. Erst da wurde mir bewusst, wie wichtig die eigene Sprache ist. Mittlerweile komme ich sprachlich in München besten zurecht und habe mir meine eigene Sprache bewahrt. Fremdsprachen beherrsche ich neben Englisch keine so richtig, wobei ich in vielen Sprachen Kaffee bestellen kann und das reicht oft schon.